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Re|nu|life Forschungscheck

Älteres Paar beim proteinreichen Frühstück – Renulife Forschungscheck

Protein im Alter: Was eine neue Studie über Menge, Verteilung und Qualität zeigt

Protein ist längst nicht mehr nur ein Thema für Kraftsportler. Gerade in der Forschung rund um Ernährung und Älterwerden wird intensiv untersucht, wie viel Protein ältere Menschen aufnehmen, wie es über den Tag verteilt wird und welche Rolle die Qualität der Proteinquellen spielt.

Eine neue randomisierte Studie aus den Niederlanden liefert dazu interessante Ergebnisse. Untersucht wurden 295 ältere Menschen, die selbstständig zu Hause lebten, aber als gebrechlich eingestuft waren. Das Durchschnittsalter lag bei knapp 74 Jahren.

Was wurde untersucht?

Alle Teilnehmer absolvierten über zwölf Wochen ein betreutes Krafttraining.

Eine Gruppe trainierte ausschließlich. Die zweite Gruppe erhielt zusätzlich eine Ernährungsintervention. Dazu gehörten individuelle Ernährungsberatung sowie täglich insgesamt 20 Gramm zusätzliches Protein, aufgeteilt auf zwei Portionen. Verwendet wurden unter anderem Molkenprotein und ein proteinangereichertes Getränk.

Ziel der Intervention war eine Proteinzufuhr von 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Dieser Zielwert bezog sich ausdrücklich auf die in der Studie untersuchte Gruppe gebrechlicher älterer Menschen und lässt sich nicht pauschal auf jeden Menschen übertragen.

Die Forschenden interessierten sich dabei nicht nur für die Gesamtmenge. Sie untersuchten auch, wie sich Protein über den Tag verteilte, welche Proteinquellen genutzt wurden und wie sich die Proteinqualität der einzelnen Mahlzeiten veränderte.

Das wichtigste Ergebnis: Die Proteinzufuhr ließ sich deutlich erhöhen

Nach zwölf Wochen nahm die Interventionsgruppe deutlich mehr Protein auf.

Die durchschnittliche Proteinzufuhr stieg dort von rund 78 auf 106 Gramm pro Tag. Im Vergleich zur Kontrollgruppe betrug der statistisch bereinigte Unterschied 29,1 Gramm Protein täglich.

Besonders interessant war die Verteilung über den Tag.

Die größten Unterschiede zeigten sich beim Frühstück, Mittagessen und beim abendlichen Snack. Beim Frühstück lag die Proteinzufuhr beispielsweise rund 9 Gramm höher als in der Kontrollgruppe, beim Mittagessen rund 5 Gramm und beim abendlichen Snack rund 7 Gramm.

Gerade diese Mahlzeiten waren zuvor vergleichsweise proteinarm.

Nicht nur auf das Abendessen schauen

Die Studie zeigt ein Muster, das auch aus früheren Untersuchungen bekannt ist: Ein großer Teil der täglichen Proteinmenge wird oft erst am Abend aufgenommen.

Die Autoren verweisen darauf, dass ältere Menschen in früheren Untersuchungen im Durchschnitt etwa 11 Gramm Protein zum Frühstück, 18 Gramm zum Mittagessen und 33 Gramm zum Abendessen aufgenommen hatten.

Die aktuelle Studie beweist nicht, dass eine bestimmte Verteilung für jeden Menschen optimal ist. Sie zeigt aber, dass sich die Proteinaufnahme gerade bei Frühstück, Mittagessen und Zwischenmahlzeiten gezielt verändern lässt.

Das ist für den Alltag eine interessante Erkenntnis.

Welche Rolle spielte die Proteinergänzung?

Ein wesentlicher Teil der höheren Proteinzufuhr kam durch die angebotenen Proteinprodukte zustande.

Zusätzlich nahmen die Teilnehmer der Interventionsgruppe auch mehr Protein aus Lebensmitteln wie Milchprodukten, Käse und Eiern auf.

Die Kombination aus Ernährungsberatung und Proteinergänzung erwies sich damit als praktikabler Weg, um Proteinmenge, Proteinqualität und Verteilung über den Tag zu verbessern.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder ältere Mensch automatisch ein Proteinprodukt benötigt. Eine Ergänzung kann vielmehr eine praktische Möglichkeit sein, wenn die tägliche Proteinzufuhr über die normale Ernährung nicht ausreichend erreicht wird oder einzelne Mahlzeiten eher proteinarm ausfallen.

Mehr Protein bedeutet nicht automatisch mehr Muskelmasse

Gerade dieser Punkt ist uns beim Renulife Forschungscheck wichtig: Studienergebnisse sollten vollständig betrachtet werden.

Die Interventionsgruppe nahm zwar deutlich mehr Protein auf. Nach zwölf Wochen zeigte sich jedoch kein zusätzlicher Unterschied bei der fettfreien Körpermasse gegenüber der Kontrollgruppe, die ebenfalls Krafttraining absolvierte.

Hinzu kam, dass die höhere Proteinzufuhr mit einer höheren täglichen Energieaufnahme verbunden war. Auch die Fettmasse war in der Interventionsgruppe leicht höher.

Die Autoren weisen deshalb darauf hin, dass bei Proteinergänzungen immer auch die gesamte Ernährung und die Energiezufuhr berücksichtigt werden sollten.

Mehr ist also nicht automatisch besser. Entscheidend ist, was zur individuellen Ernährung und Lebenssituation passt.

Was können wir daraus für den Alltag mitnehmen?

Aus der Studie lassen sich vor allem drei interessante Punkte ableiten.

Erstens: Die Proteinzufuhr älterer Menschen lässt sich gezielt verbessern.

Zweitens: Nicht nur die Gesamtmenge am Ende des Tages ist interessant. Auch Frühstück, Mittagessen und Zwischenmahlzeiten verdienen Aufmerksamkeit.

Drittens: Eine Proteinergänzung kann praktisch sein, wenn sie sinnvoll in die übrige Ernährung integriert wird.

Das passt auch zu unserem Ansatz bei Renulife.

Wir möchten Ernährung im Älterwerden nicht unnötig kompliziert machen. Protein ist ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und trägt zur Erhaltung von Muskelmasse bei. Gleichzeitig betrachten wir Ernährung nicht isoliert von Bewegung, Energiezufuhr und der übrigen Nährstoffversorgung.

Unser Fazit

Die neue Studie liefert keinen Beweis dafür, dass jeder Mensch ab einem bestimmten Alter zusätzlich Protein einnehmen muss.

Sie zeigt aber sehr anschaulich, dass es sich lohnt, nicht nur auf die Proteinmenge eines ganzen Tages zu schauen, sondern auch darauf, wie Protein über die einzelnen Mahlzeiten verteilt wird.

Gerade beim Frühstück, Mittagessen oder bei Zwischenmahlzeiten kann es sinnvoll sein, die eigene Ernährung einmal genauer anzuschauen.

Gute Ernährung im Älterwerden muss nicht kompliziert sein. Aber sie verdient Aufmerksamkeit.

Zur Studie

Esmée J. M. Biersteker et al.

Protein distribution, quantity and quality is optimized by protein intervention in frail community-dwelling older adults during resistance training: a randomized controlled trial

BMC Nutrition, 2026.

Originalstudie:
https://doi.org/10.1186/s40795-026-01511-0

Die Untersuchung umfasste 295 gebrechliche, selbstständig lebende ältere Erwachsene und lief über zwölf Wochen.

Hinweis zum Renulife Forschungscheck

Mit dem Renulife Forschungscheck möchten wir aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen rund um Ernährung, Protein und das Älterwerden verständlich einordnen.

Die hier vorgestellte Originalstudie wurde in englischer Sprache veröffentlicht. Für diesen Beitrag wurden Inhalte zusammengefasst und sinngemäß ins Deutsche übertragen. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können Übersetzungs-, Verständnis- oder Interpretationsfehler nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Maßgeblich sind daher immer die Aussagen der wissenschaftlichen Originalpublikation.

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder individuelle Ernährungsempfehlung dar. Bei Erkrankungen, bestehenden Beschwerden, Medikamenteneinnahme oder individuellen Fragen zur Ernährung sollte ärztlicher oder ernährungsmedizinischer Rat eingeholt werden.

Für Entscheidungen, die ausschließlich auf Grundlage dieser Zusammenfassung getroffen werden, übernehmen wir keine Haftung.

Quelle und Originalpublikation:
https://doi.org/10.1186/s40795-026-01511-0